pädagogische Grundlagen

der Kinderstube

Unser Arbeiten in der Kinderstube basiert auf zwei verschiedenen, sich ergänzenden pädagogischen Ansätzen, zum einen auf der Waldorfpädagogik (Rudolf Steiner) und zum anderen auf den Forschungen und Erkenntnissen von Emmi Pikler (Ungarische Kinderärztin).

In der Waldorfpädagogik wird deutlich, welch wichtigen Stellenwert die Entwicklung des Kindes in den ersten drei Lebensjahren in Hinblick auf das gesamte spätere Leben hat: „In den ersten drei Jahren seiner kindlichen Existenz erwirbt der Mensch diejenigen Fähigkeiten, die ihm auf der Erde die Möglichkeit seines Menschseins vermitteln. Es lernt zum Ende des ersten Lebensjahres das Gehen, im zweiten Jahr das Sprechen und im dritten Jahr das Erwachen des Denkens.“ ( R. Steiner).


So gilt es für den Erziehenden ein Umfeld zu schaffen, welches diesem Entwicklungsprozess Raum und Zeit lässt, ihn liebevoll anregt und positiv unterstützt. Ebenso gilt es für den Erwachsenen, dem Kind ein gutes Vorbild zu sein, denn größtenteils geschieht die Entwicklung, die Aneignung von Fähigkeiten, in diesem Alter durch Nachahmung.

Hinzu kommt, dass das kleine Kind sämtliche Sinneseindrücke ungefiltert in sich aufnimmt: Jedes Geräusch, jede Farbe und Form, jeder Geruch und Geschmack, alles was es tastend fühlt usw. dringt tief in seine Leiblichkeit ein. Demnach wird es zur Selbstverständlichkeit, dem Kind so viel wie möglich natürliche, echte, sinnhafte, die Sinne fördernde Eindrücke zu verschaffen und ihm so eine lebens- und liebenswerte Umwelt zu schaffen.

Der Mensch und insbesondere das kleine Kind ist ein von Rhythmus getragenes Wesen. So ist es erforderlich, Sicherheit und Vertrauen zu schaffen und einen rhythmisch gestalteten, sich wiederholenden Tageslauf, Wochenlauf und Jahreskreis zu geben.

In der Pädagogik Emmi Piklers gilt es grundsätzlich, „die Würde des kleinen Kindes zu achten.“ (Emmi Pikler) Ganz wesentlich ist die Pflege des Kindes (Wickeln, Anziehen, Essen geben). Hier geht es um das „Zusammensein“ von Erwachsenen und Kindern. Der Erwachsene übernimmt die Verantwortung dafür, dass alles, was geschieht, in gutem Einvernehmen, mit Ruhe und Achtsamkeit abläuft und stets der Kontakt zum Kind erhalten ist.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die freie Bewegungsentwicklung, die jedem Kind ermöglicht werden sollte. Nach seinem ganz eigenen Entwicklungsplan darf es alles selbst tun und ausprobieren. So erlangt das Kind eine gesunde Selbstwahrnehmung und ein gutes Selbstvertrauen.

Eine gut vorbereitete, gestaltete Umgebung, die für das Kind Sicherheit und Geborgenheit ausstrahlt und in der die Pflege und das freie Spiel genug Raum finden, ist wesentlich.


Aus beiden Ansätzen ergeben sich für uns als Erzieherinnen folgende Schwerpunkte beim täglichen Zusammensein mit dem Kind:
Zu allem Gesagten kommt noch ein wesentlicher, vielleicht der wesentlichste Punkt hinzu: Die Bindung an eine Bezugsperson (Erzieherin)!

Nur wenn diese behutsam eingeführt und geglückt ist, kann das Kind sich frei entwickeln und entfalten. Beziehung und Vertrauen sind Grundlage für gesunde Entwicklung!




„Jegliches Handeln hat nur im Kontext von Beziehung Sinn und ohne Verständnis der Beziehung wird es auf allen Ebenen nur zu Konflikten führen. Ein Verständnis der Beziehung ist viel, viel wichtiger als die Suche nach einem Handlungsplan.“

J. Krishnamurti