Naturkindergarten Hofgruppe

Gründungsimpuls

Um für die Kinder, die in der Kinderstube in ihren ersten Lebensjahren betreut werden, eine waldorfpädagogische Kontinuität in der Betreuung zu bieten, wurde es aufgrund der vielen Anmeldungen notwendig, eine zusätzliche Gruppe für die Anschlussbetreuung einzurichten.

Zusätzlich ist es uns ein Anliegen, auch Kindern einen Platz im Waldorfkindergarten zu bieten, die nicht in der Krippe waren. Obwohl wir für die Qualität unserer Krippenbetreuung einstehen, möchten wir gesellschaftlich das Signal aussenden: auch für Kinder, die in den ersten Jahren zu Hause betreut werden, hat der Waldorfkindergarten einen Kindergartenplatz zur Verfügung.

Die Hof- und Naturgruppe ergänzt und erweitert unser pädagogisches Angebot. Sie lässt eine pädagogische Vielfalt entstehen, die uns ein immer spezielleres Eingehen auf die besonderen Bedürfnisse der uns anvertrauten Kinder ermöglicht.

Rahmenbedingungen  

In direkter Nachbarschaft und enger Zusammenarbeit mit der Schulfarm und dem Gartenbaubereich der Freien Waldorfschule gestalten wir in unserer Hof- und Naturgruppe mit den Kindern zusammen aus einem ganzheitlichen Erleben der Natur, den Tieren und der Jahreszeiten den pädagogischen Alltag.

Das Grundstück liegt am Hang, ist größtenteils Wiesenfläche mit Baumbestand, aber auch geschotterte Fläche. Recht zentral im Gelände befindet sich ein Häuschen, welches bei Wind und Wetter Raum für die Kinder, sowie Stauraum für Spielsachen, Ersatzkleidung, Arbeitsmaterialien usw. bietet. Dieses Häuschen wurde von Schülern der Freien Waldorfschule errichtet und diente bisher als Geräteschuppen. Im Sommer 2012 wurde es von ortsansässigen Firmen und mit Hilfe einer aktiven Elternschaft für den Kindergartenalltag umgebaut. So spendet nun ein Holzofen bei schlechtem Wetter wohlige Wärme. Eine einfache Küchenzeile mit Spülbecken, Kühlschrank und Herd wurde ebenso eingebaut wie ein kleines Handwaschbecken.   Wie bei den anderen Waldorfkindergartengruppen und der Kinderstube am Schulzentrum Strümpfelbach auch reicht die Betreuungszeit von 7:30 bis 13:30 Uhr.

Besonderheiten der Hof- und Naturgruppe  

Da die Kinder der Hof- und Naturgruppe die meiste Zeit im Freien verbringen, sind sie sehr dicht mit dem Jahreslauf in der Natur verbunden. Deshalb ist es uns wichtig, nicht nur in der Natur, sondern mit der Natur zu leben.

Das Hofgruppengelände bietet ausreichend Platz für (Garten-)Arbeit und das kindliche Spiel im Freien. Die natürlichen Zusammenhänge mit ihren von Natur aus gegebenen Notwendigkeiten geben den Kindern Halt und Sicherheit, lassen sie unerschöpfliche Sinneserfahrungen machen, stärken ihre Verbindung zur Erde und veranlagen damit eine spätere Verantwortlichkeit für unsere Lebensgrundlagen. Der Großteil der Arbeiten, die wir gemeinsam mit den Kindern tun, bedingt sich somit aus der Natur, bekommt eine natürliche Notwendigkeit. Der Tages- und Wochenlauf wird durch die Arbeiten der Erzieherinnen geprägt, die sich aus der gegebenen Notwendigkeit der natürlichen Abläufe von z.B. säen, pflegen und ernten ergeben. Die Kinder erleben so den natürlichen Kreislauf von Werden und Vergehen und erfahren dadurch elementar die Sinnhaftigkeit der Welt.

Zur Schulfarm der Freien Waldorfschule, deren Tiere wir mit einbeziehen, gehören derzeit zwei Kühe, zwei Pferde, zwei Esel und eine Katze. Die Tiere sind in der direkten Umgebung, ob im Stall oder auf der Weide. Dort können sie von einzelnen Kindern zusammen mit einer Erzieherin besucht, und von den größeren Kindern gefüttert oder auch gepflegt werden.

In der Hof- und Naturgruppe werden die Kinder sich ihre Spiel- und Arbeitsplätze weitgehend selbst schaffen und bauen. Das dafür benötigte Material bietet die Natur selbst in Form von z.B. Erde, Steinen, Sand, Holz, Wasser, Pflanzen etc. Dadurch haben die Kinder die Möglichkeit, sich auf vielfältige Art und Weise in ihrem Körperempfinden zu erleben, dieses differenziert auszubilden und einzusetzen. Das bezieht sich auf die Grob- wie auch auf die Feinmotorik. Auch das Versorgen der Tiere fordert Ruhe, Kraft und Geschicklichkeit im Umgang mit dem eigenen Körper.

Eine gesunde Ausbildung der Motorik ist Voraussetzung für die Sprachentwicklung. Somit arbeiten die Kinder elementar an ihrer Sprachbildung, wenn sie sich viel und differenziert bewegen. Das gute Sprechen der Erzieherin als Vorbild sowie tägliche Fingerspiele, Reigen und Geschichten tragen darüber hinaus zur Bildung sprachlicher Kompetenz und Vielfalt bei. Die Tiere sind zwar kein sprechendes Gegenüber, fordern es jedoch angesprochen und gerufen zu werden, und dienen als wunderbare geduldige Zuhörer.

Es ist uns ein besonderes Anliegen, die im Kind liegende schöpferische Kreativität zu pflegen und anzuregen. Hierzu bieten Natur und Tiere reichlich Ruhe und Anregung. Wir geben den Kindern Raum, Zeit und Material um sie in ihrem schöpferischen Tun zu unterstützen. Der rhythmisch geführte Tageslauf macht Kräfte frei für schöpferische Prozesse. Die Spielmaterialien und die Geländegestaltung sind vielfältig, freilassend, verwandelbar und erfüllen nicht nur einen Zweck, so dass das Kind sie in seiner Phantasie „verzaubern“ kann. Da werden lehmbedeckte Steine, auf die das Sonnenlicht fällt zu funkelnden Edelsteinen, gelbes Herbstlaub, dass durch nebelverhangene Bäume auf uns niederschwebt, lässt uns fühlen als wären wir Sterntaler, ein Stück Rinde wird zum Boot oder Zauberstab, eine Wurzel zum Zwergenreich. Künstlerische Angebote wie Malen, Kneten mit Bienenwachs und kreatives Gestalten geben zusätzliche Möglichkeiten zu Erlebnissen mit allen Sinnen.

Damit sich die Kinder in der Hofgruppe wohl fühlen und sich in ihrem schaffenden Tun entfalten können, ist gute, wetterfeste Kleidung besonders wichtig. Die Erzieherinnen und erfahrene Hofgruppeneltern geben Ihnen hierzu gern hilfreiche Tipps und Anregungen.